Tagungen | Netzwerktreffen
Das erste Treffen des DFG-Netzwerks Queerlinguistik fand vom 11. bis 13. September 2025 an der Universität Hamburg statt. Das Treffen diente der Konsolidierung des Netzwerks sowie einer Bestandsaufnahme und Diskussion des Status Quo und der Zukunft der Queerlinguistik in Deutschland. Neben einem internen Austausch und der Planung der weiteren Netzwerkarbeit wurde ein Überblick der bisherigen queerlinguistischen Forschungen im Deutschen, in Deutschland und auch darüber hinaus erarbeitet. Zusammen mit dem Impulsvortrag des Gasts (Prof. Dr. Heiko Motschenbacher) wurde auf dieser Grundlage über bisherige Ansätze, mögliche Lehren aus der internationalen Forschung sowie die zukünftige Forschung – allgemein und im Netzwerk – diskutiert.
Fragen und Themen, die für das erste Treffen Bedeutung haben, sind:
- Wie lässt sich die bisherige Forschung zur Queerlinguistik im Deutschen strukturieren und zusammenführen? In Hinsicht auf: Fragestellungen, Methoden, Ansätze, Teildisziplinen der Linguistik.
- Wie kann die zukünftige Forschung in dem Themenfeld aussehen? Welche Ansätze erscheinen vielversprechend?
- Welche Impulse kann die internationale Forschung geben? Was kann die Queerlinguistik im Deutschen von der internationalen Forschung lernen?
- Welche Erkenntnisse lassen sich übertragen, welche Spezifika gibt es im Deutschen?
Das zweite Treffen des Netzwerks fand vom 18. bis 20. Februar 2026 an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder unter dem Titel „Referenzen auf queere Menschen“ statt. Es legte den Schwerpunkt auf Sprachstrukturen, und zwar konkret auf verschiedene Arten, wie auf queere Menschen referiert wird, und wie sie selbst auf sich referieren. Ein Fokus liegt dabei auf geschlechtersensibler und inklusiver Sprache (bspw. nominale und pronominale Referenzen wie Kolleg:innen oder dey). Darüber hinaus werden weitere Referenzen, die für die Repräsentation und Konstruktion queerer Menschen bedeutsam sind, betrachtet. Für diese Auseinandersetzung sind folgende Bereiche relevant: Grammatik, Morphologie, Lexik, Lexikografie, Semantik, Onomastik. Der Impulsvortrag wurde von Prof. Dr. Evelyn Ferstl (Universität Freiburg) halten.
Folgende Fragen und Themen wurden im zweiten Treffen fokussiert:
- Welche Pronomen und weitere Referenzverfahren für nicht-binäre Menschen gibt es im Deutschen? Wann und wie oft werden sie von wem verwendet?
- Welche Erkenntnisse zum Gebrauch und zur Wirkung verschiedener Formen geschlechtersensibler Sprache (bspw. Asterisk, Doppelpunkt) liegen vor?
- Welche Selbst- und Fremdbezeichnungen für queere Menschen werden im Deutschen verwendet? Wie werden sie in Wörterbüchern definiert? Was bezeichnen Kurzwörter wie LGBT+?
- Wie sieht die Entwicklung von Rufnamen aus einer queeren Perspektive aus?
- Wie geht generative künstliche Intelligenz mit Referenzen auf queere Menschen bspw. in Übersetzungen um?
Das dritte Treffen des Netzwerks findet vom 07. bis 09. Oktober 2026 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn mit dem Oberthema „Mediale Diskurse über Geschlecht und Sexualität“ statt.
Im dritten Treffen werden mediale Diskurse über Geschlecht und Sexualität aus einer queerlinguistischen Perspektive untersucht. Grundlegend geht es also um relevante öffentliche Repräsentationen von Geschlecht und Sexualität, die sich (auch) sprachlich konstituieren. Dabei werden verschiedene qualitative wie quantitative methodische Ansätze u. a. der Korpuslinguistik und der (kritischen) Diskursanalyse diskutiert sowie Bezüge zur Erforschung von Sprachideologien hergestellt. Die Daten werden bspw. Pressetexten, sozialen Medien, wissenschaftlichen Publikationen oder der Werbung entnommen. Der Impulsvortrag auf diesem Treffen wird von Prof. Dr. Erez Levon (Universität Bern) gehalten.
Folgende Fragen und Themen sollen beispielhaft diskutiert werden:
- Wie wird in der Presse über den CSD und weitere queere Veranstaltungen berichtet?
- Wie werden sprachliche Mittel von queeren Menschen genutzt, um ihre Identität in sozialen Medien zu performen und zu kommunizieren?
- Welche Diskurse über das Selbstbestimmungsgesetz, Genderverbote oder die Öffnung der Ehe können identifiziert und kritisch hinterfragt werden?
- Wird der ESC medial zu einem queeren Event „gemacht“?
- Wie wird nicht-heterosexuelles Verhalten bei Tieren medial verhandelt? Gibt es queere Tiere bzw. wie werden sie dazu gemacht – auch in der Wissenschaft?
- Welche Machtverhältnisse gehen mit den Diskursen einher? Welche Ideologien stehen dahinter?
- Welche Methoden und Methodenkombination sind für diese queerlinguistischen Fragen geeignet?
